Marketing Aktion ging nach hinten los

PR-Ethikrat reagiert auf fragwürdige Marketing Aktion

Die erfundene Geschichte der Irrfahrt einer Pistenraupe nach Seefeld hat am Montag zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Die Tirol Werbung ist verärgert, der PR-Ethikrat leitet ein Verfahren ein. Der TVB selbst spricht von einer „Guerilla-PR-Aktion“.

Vergangene Woche machte die Meldung samt Foto die Runde, eine Pistenraupe sei von einem Tiroler Transportunternehmen versehentlich nicht nach Seefeld in Tirol, sondern nach Seefeld in Norddeutschland geliefert worden. Nachdem die Pistenraupe zwei Tage später in Seefeld in Tirol ankam, entpuppte sich die Angelegenheit nun am Wochenende als PR-Gag des Tourismusverbandes – mehr dazu in PR-Gag rund um Seefelder Pistenraupe.

Kreativer Schmunzel-Gag?

Tourismusberater Jakob Edinger hält die Idee für kreativ und innovativ, sie transportiere die Signale Winterbeginn, Seefeld, Pistenraupe, Schnee. Als außenstehender Beobachter halte er den PR-Gag des Seefelder Tourismusverbandes für gelungen, so Edinger gegenüber ORF Tirol.

Auch in Seefelder Hotels hält man die Inszenierung für einen guten Marketing-Gag und für eine „Geschichte zum Schmunzeln“. Dabei habe sich ein Facebook-Posting zur Zeitungsgeschichte entwickelt, heißt es. Der Obmann des Tourismusverbandes Serfaus-Fiss-Ladis, Franz Tschiderer, selbst auch Mitglied des Tourismusbeirates der Landesregierung, hält die Fahrt für einen „ziemlich genialen PR-Gag“.

Tirol Werbung: Unwahrheit schadet Image

Die Tirol Werbung hält nichts von der inszenierten Pistenraupen-Irrfahrt. Josef Margreiter sagte, es sei ein Fehler passiert, „die Verlockung des viralen Marketings war offensichtlich zu groß“. In der Kommunikation mit Medien sei unprofessionell gehandelt worden, die Partnerschaft mit den Medien sei zentral für das Kerngeschäft. Es handle sich um einen „Ausrutscher, der eine Lehre sein werde“, so Margreiter.

Tirol Werbung Sprecher Florian Neuner erklärte, man setze in jeder Art der Kommunikation auf Authentizität, auch in der Bildsprache. Dass Journalisten gezielt die Unwahrheit gesagt wurde, dafür fehle das Verständnis. Das absichtliche Platzieren von unrichtigen Sachverhalten zu PR-Zwecken sei schlecht für das Image Tirols, so Neuner.

Fragwürdiges Verhalten beim Tourismusverband

Für Kritik sorgte nach der Preisgabe der Fahrt als Inszenierung vor allem das Verhalten des Tourismusverbandes. Denn als Journalisten beim Tourismusverband anriefen, um die Angelegenheit zu hinterfragen, wurden ihnen weitere Unwahrheiten aufgetischt. Der Seefeld Tourismusverband beharrte zunächst auf der Darstellung, dass die Irrfahrt kein PR-Gag sei.
TVB über Ausmaße überrascht
„Es ist ja niemand zu Schaden gekommen“, meinte hingegen TVB-Geschäftsführer Elias Walser Montagvormittag gegenüber der APA. Man habe auch nie gedacht, dass das Ganze derartige Ausmaße annehme. Walser betonte gleichzeitig, dass der TVB keine offizielle Presseaussendung zu der Causa verschickt, also nicht bewusst eine Falschmeldung verbreitet habe. Stattdessen habe die Story durch ein privates Facebook-Posting seinerseits ihren Ausgang genommen.

Er sei überrascht und verwundert, dass die Geschichte von so vielen Medien und Journalisten „unreflektiert“ übernommen worden sei. Walser verwies gleichzeitig darauf, dass es auch Medien gegeben habe, die die „Pistenraupen“-Story quasi als Fake erkannt hätten. Er übernehme jedenfalls die Verantwortung, meinte der Geschäftsführer.

dpa musste Meldung zurückziehen

Unter den vielen Journalisten, die bei ihrer Recherche explizit belogen wurden, befindet sich auch die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Sie musste die Story samt dem von Seefeld gelieferten Foto zurückziehen und sich bei allen Kunden entschuldigen. Derzeit werde eine Klage geprüft, so dpa-Unternehmenssprecher Chris Melzer gegenüber tirol.ORF.at. Der Ärger sei groß, denn „mit so einer Boshaftigkeit rechnet man einfach nicht“, sagte der Unternehmenssprecher.

PR-Ethik-Rat leitet Verfahren ein

Der Ethik-Rat für Public Relations kündigte an, gegen den TVB ein Verfahren einzuleiten. Auf den ersten Blick verstoße die Aktion gleich in mehreren Punkten gegen den Ehrenkodex des Public Relations Verbandes Austria (PRVA). Dort ist unter anderem davon die Rede, dass es für PR-Fachleute nicht zulässig sei, bewusst Falschmeldungen in Umlauf zu bringen. Sollte sich die Annahme bestätigen, dass der Tourismusverband bewusst gegen die gängigen Ethik-Kodizes der Branche verstoßen hat, schadet das zweifellos seiner Glaubwürdigkeit, hieß es aus dem PR-Ethik-Rat. Den Medien könne man aus jetziger Sicht keinen Vorwurf machen. Eine umfassende Beurteilung könne aber erst nach eingehender Prüfung abgegeben werden.

TVB: Verselbständigte „Guerilla-PR-Aktion“

In einer schriftlichen Reaktion am Montagabend sprach der Geschäftsführer der Olympiaregion Seefeld, Elias Walser, dann von einer „Guerilla-PR-Aktion“, die sich verselbständigte. Als er am Freitag von verschiedenen Medien nach der Aktion befragt wurde, sei er „völlig perplex von der Resonanz weiter bei unserem Märchen geblieben.“ Er verteidigt sich damit, dass er die Geschichte nicht aktiv lanciert habe. „Ich habe den Medien gegenüber den wahren Kern der Aktion verheimlicht und auf Nachfragen ausweichend reagiert“, so Walser. Ausdrücklich entschuldigt er sich bei der deutschen PR-Agentur der Olympiaregion, die ebenfalls nicht in die Aktion eingeweiht war. „Wir haben den Bogen überspannt“, sagte Walser.

Falsche Marketin-Agentur gewählt?

Die Absicht der Werbeaktion sollte sicherlich keine negativen Reaktionen bringen. Gerade im Tourismusbereich sind negative News nie gut. Aus diesem Grund ist es ratsam mit einer seriösen Marketing-Agentur zusammen zu arbeiten. Eine solche kann bereits bei dere Planung die späteren Reaktionen einschätzen und so ungewollte Ergebnisse vermeiden.

Quelle: ORF.at

Bildquelle: Pixabay

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One thought on “PR-Ethikrat reagiert auf fragwürdige Marketing Aktion

  1. Dennis

    Das ist natürlich wenig sinnvoll, was die Marketing Agentur da gemacht hat. Mann sollte immer versuchen dem Kunden einen positiven Mehrwert zu liefern. Zumal die Sache sicherlich nicht günstig war.

     

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